Alsdorf
«Dass hier noch kein Kind durch familiäre Gewalt oder Vernachlässigung zu Tode gekommen ist, ist wohl reines Glück!»
«Wir arbeiten am Anschlag. Hohe Fallzahlen bei finanziellen Engpässen – das kann doch nicht gut gehen!» Und so wird es wohl nur eine Frage der Zeit sein, bis auch Alsdorf sein totes Kind bekommt. Wie in Bremen. Wie in Mönchengladbach.
So äussert sich Armin Carduck, Abteilungsleiter des Diakonischen Werks im Kirchenkreis Aachen, in den AN. Resignation oder einfach nur Hilflosigkeit ? Denn wenig Geld kaum Personal und den fehlenden Weitblick, damit sieht sich Armin Carduck konfrontiert. Dem stehen die um 40% gestiegenen Anzeigen wegen Verwahrlosung gegenüber.
Die Mitarbeiter des Jugendamtes in Alsdorf tun alles um es nicht zu einem Todesfall kommen zu lassen. Seid Anfang des Jahres gibt es das Projekt „Start(e)klar“ ein Frühwarnsystem an dem Kinderärzte, Hebammen und mehr beteiligt sind. Wenn es Hinweise auf Kindeswohlgefährdung gibt sollen gezielt Hilfe angeboten werden, aber wie wird man allen gerecht ? Jugendamtsleiter Herbert Heinrichs meint : “ Wir sind an die Grenze der Möglichkeiten gestoßen, oft können nur Tagesprioritäten gesetzt werden, personell geht einfach nicht noch mehr.“
Ob die Nachbarn nun sensiebel beobachten oder es wirklich ein Fall von häuslicher Gewalt gibt, wenn niemand sich richtig kümmern kann spielt es keine Rolle. Die Helfer sind in der Regel ein -zwei Stunden in den betroffenen Familien, wenn darüberhinaus etwas passiert heisst es gleich, das Jugendamt wusste doch bescheid. Aber auch diesem sind die Hände gebunden, denn um ein Kind aus einer Familie rauszunehmen bedarf es eines richterlichen Beschluss, und dieser wird schonmal vom Schreibtisch aus abgelehnt, auch wenn das Jugendamt Bedenken angemeldet hat. Ein Richter sollte sich vor Ort ein Bild der Situation machen, fordert Herbert Heinrichs.
Projekte der Familienarbeit sowei Erziehungshilfen sind freiwillige Leistungen der Kommune, eine Unterbringung im Heim wird dagegen finanziell unterstützt. Ein absurdes System meint Armin Carduck, wer Kinderschutz will muss auch dafür bezahlen!
In Alsdorf gab es 1979 fünf Pflegefamilien, dem steht die aktuelle Zahl von 40 gegenüber! Damit ist man in diesem Punkt auch vollständig ausgelastet!


Wie wahr, wie wahr, wasich da lese. Ich versuche jetzt gerade Hilfe für meineKinder zu bekommen, weil meine Ex-Ehefrau vollkommen überfordert ist.
Nett ist meine Ansprechpartnerinbe im Jugendamt Alsdorf, freundlich und bestimmt im Grunde genommen auch vollkommen hilfsbereit. Und mit Sicherheit würde Sie gerne weitaus mehr tun. Aber Wartezeiten, zeitlich vollkommen überlastet und von den Fördermöglichkeiten sehr eingeschränkt.
Meine Ex kam mit den Kindern aus den Niederlanden…was da allesmöglich ist..herrlich. Und dann hier. Im Grunde genommen für Familien oder Alleineruziehende nichts an Hilfeangebot. Enweder kommt man selber mit der Situation klar oder die Kinder sind irgendwann derart verwahrlost, dass sie ins Heim oder zu Pflegeeltern müssen. Mit all den „Schäden“ seelischer Natur die Sie bis dahin erlitten haben. Neben den körperlichen.
In den benachbarten Niederlanden gibts sehr viel, wie zum Beispiel Teilzeitbetreuung für die Kinder, Gasteltern, Betreeung auch für die Eltern so daßI hnen Wege abgenommen werden und so mal Zeit für sich selber bleibt, Haushaltshilfen etc. etc. In Belgien sieht es ähnlichaus was die Möglichkeiten betrifft.
In Deutschland kann man nur davon träumen.
Was nutzen einem irgendwelche Steuervorteile für Haushaltshilfen oder weil man Kinder hat,wenn man nicht gerade 3000 € brutto verdient?? Denn wenn man beispielsweise nur 1500 oder 2000 Euro verdient, hat man durch die normalen Kinderfreibeträge eh kaum noch eine Steuerlast, so dass diese sogenannten „Hilfen“ gar nicht greifen können.
Aber dies sind eben diese Theoretiker namens Politiker, die sich nach irgend einem statistischen Durchschnittsverdienst beim Entwurf der Gesetze richten, die aber leider nichts mit der Realität der meisten Bundesbürger zu tun hat.
Ich kann auf jeden Fall nur mit dem Kopf schütteln was sich zum Thema Jugendamt und Hilfemöglichkeiten heraus kristallisiert hat.
Von: Harald Richter am April 7, 2009
um 9:01